Erfahrungen

So war mein Coming-Out…

Alican
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Alican, Du bist Moslem. Gerade in Deutschland gelten Muslime als sehr religiös. Was bedeutet dir und deiner Familie Religion?

Für mich bedeutet meine Religion nichts, denn immerhin steht im Koran, dass ich sterben werde, wenn ich homosexuell bin; würde ich also an Gott glauben, dann wäre ich lange tot. Für meine Familie ist unsere Religion wichtig, weil sie sich immer wünschen, dass ich oder mein Bruder Kinder bekommen, obwohl das bei mir nichts wird.

Die Hauptströmungen des Islams stehen Homosexualität stark ablehnend gegenüber. Wie gehst Du damit um?

Ich gehe so damit um, dass ich keinem anderen Moslem davon erzähle, den ich nicht sehr gut kenne. Ich wohne selbst in ein Viertel, in dem sehr viele Moslems leben. Ich zeige also nicht offen, dass ich schwul bin. Ich weiß, das ist schwer, wenn ich mal einen Freund habe, aber es geht.

Wann und wie hast du selbst festgestellt, dass du auf Männer stehst?

Vor etwa zehn Jahren habe ich herausgefunden, dass ich schwul bin. Ich und ein Nachbar hatten eine Phase, in der wir vieles ausprobieren wollten, und nun ja, ich und er haben es ausprobiert und mir hat es sofort gefallen. So habe ich herausgefunden, dass ich schwul bin. Mein Nachbar ist heterosexuell geblieben – mit der Begründung, dass es nicht so sein Ding sei.

Wie war die Reaktion deiner Eltern, als du dich geoutet hast?

Naja, ich selbst habe mich nicht geoutet, sondern das war eine Nachbarin. Erst waren meine Eltern sehr schockiert und meinten, dass ich zum Psychiater deswegen muss. Das hat mich wiederum geschockt und ich bin dann für drei Stunden, im Winter nur mit einem T-Shirt und einer kurzen Hose bekleidet, von Zuhause weggelaufen. Nachdem ich dann aber nach Hause zurückgekommen bin, haben meine Eltern nicht mit mir geredet.

Wie ist das Verhältnis zu deinen Eltern im Moment?

Im Moment ist es eigentlich gut, weil sie das Thema nicht mehr anschneiden. Manchmal meckern aber meine Eltern deswegen herum, ich solle nicht so oft mit Schwulen unterwegs sein und so weiter, aber da höre ich nicht mehr zu.

Viele denken, wenn der Vater hört, dass sein Sohn schwul ist, dass der dann seinen Sohn tötet oder sonst was. Das stimmt nicht! Das sind verdammt blöde Vorurteile! In der Türkei kann das sein, aber wir sind in Deutschland! Mein Vater hat sich nicht geändert, er behandelt mich genauso wie vor dem Zeitpunkt meines Coming Outs. Sogar meine Mama fragte an einem Tag, ob ich einen festen Freund hätte. Das hat sie sonst nie gefragt. Ich war aber froh, dass sie Interesse an mir zeigt.

Wer weiß außer deinen Eltern in eurer Familie noch von deiner Homosexualität?

Von meiner Familie wissen das nur meine Eltern, Geschwister und meine Oma. Meine Eltern wollen nicht, dass es in der Familie sich weiter verbreitet, weil sonst meine Tanten, Onkel etc. sehr enttäuscht wären. Ich habe auch keine Ahnung, was sie sonst machen würden. Ich will das auch gar nicht wissen und darüber nachdenken.

Hat es bisher einen Unterschied gemacht, ob du dich bei türkischen oder deutschen Freunden geoutet hast?

Ich habe mich bei allen geoutet. Es wissen nur fünf türkische Freunde von mir, dass ich schwul bin und das soll sich auch nicht verbreiten, weil es gefährlich ist, mich hier in der Gegend zu outen. Bei mir hier wohnen viele Kriminelle, das sind wirklich sehr viele und die sind noch dazu Türken. Das wäre dann nicht nur für mich gefährlich, sondern auch für meine Familie. Ansonsten haben das alle meine Freunde akzeptiert und haben es positiv aufgenommen. Es gab keinen Unterschied bei der Reaktion.

Ein Blick in die Zukunft: Wie stellst du dir dein Leben in zehn Jahren vor?

Ich stelle mir vor, dass ich irgendwann einen festen Freund habe. Außerdem möchte ich sehr gerne mein eigenes Restaurant oder ein Hotel eröffnen, damit ich mein eigenes Geschäft habe und auf eigenen Beinen stehe.

Hast du einen „Traummann“? Wenn ja, wie sieht dieser aus?

Eigentlich habe ich keine Beschreibung für meinen Traummann. Er sollte halt so sein, wie er ist und muss mir einfach gefallen. Er sollte mich auch so akzeptieren, wie ich bin. Ich habe einige Macken, aber wer hat das nicht? Er sollte offen und halt immer für mich da sein. Ich habe in meinem Leben schon viele Fehler und schlimme Dinge mitgemacht. Aber ich habe nicht aufgegeben, weiter zu suchen!

Dany

Ich habe mich schon im Kindergarten anders gefühlt, aber ich konnte das nicht so ganz einordnen.
Weil das aber zu lange dauern würde im Einzelnen darauf einzugehen, springe ich jetzt in die Zeit als ich 13 Jahre alt war.
Damals habe ich im Fernsehen eine Reportage über Trans*(Sexualtität) gesehen. Mir wurde schnell klar, dass all das was dort gesagt wurde einfach genau auf mich zutraf. Die ganzen Gefühle, die der Trans*mann dort schilderte, waren auch meine Gefühle.
Meine Gedanken überschlugen sich in meinem Kopf. Endlich hatte ich ein Wort für mich gefunden.
Doch diese Erkenntnis überforderte mich zunächst. Ich outete mich bei Freunden und Familie erstmal als lesbisch-
dies fiel mir deutlich leichter als zu sagen, dass ich Trans*
bin, zumal ich diesen Gedanken damals gerne verdrängt habe.
Ich versuchte erstmal einen Platz in der lesbischen Community zu finden.
Meine Gefühle und Gedanken unterdrückte ich, bis ich nach Dortmund gezogen bin.

Im Alter von 17 Jahren – angekommen in der eigenen Wohnung mit viel Zeit über mich nachzudenken- kamen schnell wieder meine Gedanken und Gefühle hoch.
Ich konnte diese nicht mehr unterdrücken. Also suchte ich Rat bei einer Trans*Beratungsstelle. Kurz darauf outete ich mich bei meiner Mutter als Trans*. Ich habe es ihr am Telefon gesagt, weil ich Angst hatte, ihr dabei in die Augen zu gucken. Sie hat bitterlich geweint und wollte über das ganze Thema nichts wissen. Diese Reaktion hat mich wieder weit zurück geworfen, sodass ich wieder alles verdrängte.

3 Jahre später – Ende 2013- konnte ich es nicht mehr unterdrücken.
Ich nahm all meinen Mut zusammen und erzählte meinen engsten Freunden,
wie ich mich fühle. Meine besten Freunde kamen damit gut klar, hatten allerdings
Probleme, mich mit richtigem Namen und Pronomen anzusprechen und konnten nicht verstehen, dass es mich verletzt, falsch angesprochen zu werden.
Anders reagierten allerdings meine nicht so ganz engen Freunde aus der lesbischen
Community. Ich hätte erwartet -gerade in diesem Umfeld- auf viel Akzeptanz zu treffen.
Doch dem war leider nicht so. Viele wendeten sich von mir ab, beleidigten mich und erzählten hinter meinem Rücken, was scheinbar mit mir los war. So sprachen mich fremde Menschen auf dem CSD an und wollten wissen, was es mit meiner Transidentität auf sich hat. Definitiv kein schönes Gefühl.
Dafür hat mich meine Familie sehr überrascht. Meine Mutter regierte beim 2. Outing deutlich entspannter. Und gerade meine Schwester hat sehr gut reagiert. Sie hat mich auf voller Linie unterstützt und tut es immer noch. Selbst meine Oma, von der ich es nie
erwartet hätte, hatte keine größeren Probleme damit. An Weihnachten hat sie es sogar geschafft, meinen neuen Namen zu benutzen.

Mein nächster Schritt wird es sein, mit meinem Freund (ebenfalls Trans*) zusammen ehrenamtlich im Treff vom Sunrise zu arbeiten, um auch innerhalb der Community Aufklärung zu leisten.

Mein Name ist Lisa, ich bin 19 Jahre alt und pansexuell. Für die, die nicht wissen was Pansexualität ist: Man liebt den Menschen an sich. Dabei ist es egal ob dieser schwul, lesbisch oder trans* ist.

Mit 13 Jahren merkte ich es zum ersten Mal. Ich hatte mich in meine beste Freundin verliebt. Doch für mich war es „falsch“, denn in meiner Umgebung wurde nie über das Thema Homosexualität gesprochen. Die Freundschaft ging kaputt, da ich mich immer mehr zurückzog. Ich kam auf die Realschule und hatte meine ersten Beziehungen mit Jungs hinter mir. Ich dachte, dass ich mir die Gefühle nur eingebildet hätte, doch in der 9. Klasse lernte ich ein Mädchen kennen und es passierte wieder. Diesmal war ich mir sicher. Durch Zufall bekam ich mit, dass eine gute Freundin von mir zu einem Jugendtreff namens „Sunrise“ ging. Sie nahm mich mit und ich fühlte mich sofort wohl. Es wurde kein Tabu mehr um das Thema Homosexualität gemacht. Man konnte einfach sein wie man ist. Zu diesem Zeitpunkt war ich 16 Jahre alt. Ich ging immer öfter zum Sunrise und wurde immer sicherer. Mit der Zeit outete ich mich bei meinen besten Freunden und zu meiner Überraschung, sie sich bei mir auch. Als ich mich bei meiner Mutter outete, gab es auch keine Probleme. Sie sagte nur „du bist meine Tochter und das wirst du immer bleiben. Es ist egal wen du liebst, solange du glücklich bist“. Sowas zu hören hat mich motiviert, mich auch bei meinem Vater, von dem ich nicht so überzeugt war, dass er gut damit umgehen würde, zu outen. Ich machte immer öfters vorsichtige Anspielungen. Auf dem Weg zu seiner Hochzeit kam schließlich das Thema auf und ich beschloss es einfach zu sagen. Es war vielleicht nicht die passendste Situation, aber ich hatte es endlich hinter mir und fühlte mich gut. Mein Vater war nicht überrascht. Er sagte nur, dass er damit gerechnet hätte. Er hat viele Vorurteile, aber letztendlich hat er es akzeptiert. Insgesamt kam mein Outing auch beim Rest meiner Familie nicht schlecht an.
Da ich weiß, wie es ist, sich nicht richtig zu fühlen, bin ich bei der Schwul, Lesbischen, Bi, Trans*Aufklärung Dortmund und gehe an Schulen, um Jugendlichen zu zeigen, dass Homos, Bi´s und Trans* auch nur Menschen sind und nichts daran falsch ist.